Am 11. Mai 2021 wurde vor dem Pfarr- und Gemeindehaus in der Güstrower Str. 18 ein Stolperstein verlegt. Er erinnert an Gerd Zengel, den Sohn des Arztehepaares, das der Gemeinde das Haus in den 60er Jahren vererbt hat.
Gerd Zengel gehörte zu den rund 200.000 Menschen mit körperlicher, psychischer und/oder geistiger Beeinträchtigung, die im Zuge des NS-Euthanasie-Programms als “Ballastexistenzen” ermordet wurden.
Schon im Juli 1933 wurde ein “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” erlassen. Im Oktober 1935 kam das “Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des Deutschen Volkes” hinzu. Männer und Frauen mit körperlichen, psychischen oder geistigen Auffälligkeiten wurden zum Zweck der “Rassenhygiene” zwangssterilisiert. Im Oktober 1939 erließ Adolf Hitler offiziell die Anordnung zur Ausrottung “lebensunwerten Lebens”, da war das Töten von behinderten und unheilbar kranken Kindern bereits in vollem Gang. Nun wurden die Massentötungen auch auf kranke Erwachsene ausgeweitet. Vom Gnadentod wurde gesprochen und damit das tatsächliche Geschehen verharmlost:
nämlich, dass kranke Menschen vergast wurden, man sie verhungern ließ, ihnen tödliche Subastanzen verabreichte oder sie als medizinische Testpersonen missbrauchte. Der Erlass wurde auf den 1. September 1939 - und damit auf den Kriegsbeginn datiert und “nahrungspolitisch” begründet sowie als militärisch “notwendig” dargestellt. Allein die Aktion “T4” forderte etwa 70.000 Menschenleben. T4 ist die Abkürzung für “Tiergartenstrasse 4, Berlin”, von dort wurde der Abtransport und die Tötung der Menschen organisiert.
Nach massiven Protesten vor allem der katholischen Kirche musste Hitler im August 1941 den Erlass widerrufen, das Töten ging jedoch - nun dezentral - in den den Kinderfachabteilungen und Heilanstalten - nun weitgehend unbeachtet - weiter. Als Todesursache wurde stereotyp “Lungenentzündung” angegeben. Menschen, die nicht in das rassistisch gefärbte Menschenbild vom gesunden und germanischen Volkskörper passten, die in ihrer Einstellung abwichen oder manchmal einfach nur denunziert wurden, galten als Volksschädlinge, die vernichtet werden durften. Eine zynische Sicht auf ein Leben und jedes einzelne dieser Opfer ist menschlich eine Kathastrophe!
“Euthanasie” ist ein griechisches Wort und heißt “guter Tod”. Es meint in seinem Ursinn das Gehendürfen in Würde, mit oder ohne ärztliche Hilfe, wenn das Leben durch Schmerz und Krankheit nicht mehr ertragen werden kann. In der Zeit des 3. Reiches wurde dieser Begriff pervertiert und hat bis heute seinen bitteren Beigeschmack. Niemand darf über das Lebensrecht eines anderen Menschen befinden, auch nicht den Wert eines Lebens bemessen. Leben hat seinen Wert und seine Würde in sich selbst und die Würde des Menschen ist unantastbar.
Erinnern wir an Gerd Zengel, ermordet im Alter von 34 Jahren am 6. August 1940 in Schwerin in der Heilanstalt Sachsenberg!