Die Georgenkirche in Waren an der Müritz, ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und steht mitten in der historischen Altstadt von Waren. Sie wurde im 14. Jahrhundert gebaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und umgestaltet. Der Vorgängerbau, vermutlich eine Holzkirche, wird in einem Schriftstück von 1237 erstmals erwähnt. Die Kirche des 14. Jahrhunderts war eine dreischiffige Basilika, das Langhaus mit vier Jochen, das Gewölbe von mächtigen Pfeilern getragen, ein Bauwerk der Backsteingotik. Der mächtige Westturm wurde 1414 fertiggestellt. Dieser Teil der Stadt geht auf die Gründung von Kaufleuten und Handwerkern zurück. Die Georgenkirche war „ihre“ Kirche, während die nahegelegene Marienkirche als Burgkirche gebaut wurde.

Mehrfach brannte die Kirche im Mittelalter. Der Stadtbrand von 1699 traf die Kirche besonders hart. Die gesamte Inneneinrichtung wurde zerstört, der Turm brannte aus, die Glocken schmolzen, das Gewölbe des Langschiffes stürzte ein. Nach dem Feuer wurde zunächst eine hölzerne Flachdecke eingezogen. Da die Glocken vernichtet waren, wurde mit einer Fanfare/Trompete zum Gottesdienst geblasen.

Georgenkirche Alte Innenansicht - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)
Lütgemüller-Orgel - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche gründlich überbaut und erhielt ihre neogotische Ausgestaltung, die bis heute charakteristisch ist. In dieser Zeit wurde der mittelalterliche Chor abgerissen und durch einen neugotischen Neubau ersetzt. Auch wurde das Hauptschiff wieder eingewölbt. Die Ausmalung war für diese Zeit typisch mit Illusionsmalerei an den Wänden sowie gemalten Ziegelimitationen und Rautenbändern in den Gewölben. Reste dieser Ausmalung sind bis heute im nördlichen Choranbau erhalten.

Das heutige Gestühl kam in die Kirche, die Kanzel, der Taufstein, die Doppelempore mit der Orgel, der Altar mit dem einfachen Holzkreuz. Der Corpus am Altarkreuz wurde in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vergoldet. Die Orgel erbaute der Wittstocker Orgelbaumeister Friedrich Hermann Lütkemüller im Jahr 1856. Die Orgel hat 1600 Pfeifen, zwei Manuale, Pedal, 26 Register. 1876 wurde die Kirche neu geweiht.

Innenansicht - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)

An die mittelalterliche Kirche erinnern der gewaltige Turm, die mächtigen Pfeiler, die Süd- und Nordwände mit ihren gotischen Elementen. Mittelalterlich ist auch die oben im Osten im Hauptschiff angebrachte Triumphkreuzgruppe, die möglicherweise ursprünglich nicht aus der Georgenkirche stammt. Jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass sie das Feuer von 1699 unbeschadet in der Kirche überstand. Möglich ist aber auch, dass die drei Figuren zeitweise „woanders eingelagert“ waren und darum nicht Opfer der Flammen wurden.

Besonders schön sind die bunten Fenster im Chorraum und in den Seitenschiffen. Die Chorfenster werden auf das Jahr 1876 datiert. Das Fenster im Zentrum des Chorraums zeigt die Auferstehung Christi, im unteren Bereich auch eine kleine Abbildung mit der Grablegung. Der Entwurf dieses Fensterbildes stammt von Gaston Lenthe, Hofmaler in Schwerin, und wurde von ihm als Altarbild der Kirche von Blankenhagen i. Mecklenburg gemalt. Dasselbe Motiv hat er auch als Fenster für die Georgenkirche entworfen, der Glasmaler Ernst Gillmeister führte den Entwurf auf dem Fenster aus.

Fensterbild - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)
Fensterbild - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)

Die Chorfenster links und rechts sind im Gegensatz zum Mittelfenster nicht gemalt, sondern aus Buntglas. Links sind als Vertreter des Alten Bundes die Alttestamentlichen Personen Mose und Jesaja zu sehen, rechts als Vertreter des Neuen Bundes Matthäus und Paulus.

Besonders sind auch die gemalten Fenster in den Seitenschiffen. Im Nordschiff die Geschichte vom Seewandel Petri, hier der sinkende Petrus, der seine Hände dem Christus entgegenstreckt, während die entsetzten Jünger im Boot den Wellengang sehen. Eine Abbildung, die sicherlich auch gerade den vielen Fischern der Stadt sehr nahe war. Es wurde 1910 von einer Frau I. Stein in Gedenken an ihren Gatten Senator Friedrich Stein gestiftet. Im Südschiff die Abbildung des Heiligen Georg. Seinen Namen trägt die Kirche. Diese Fenster wurden der Kirche 1909 von der Oberin Charlotte Horn geschenkt.

Die Heizung stammt aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Die Anlage war eines der ersten Projekte der Warener Gaswerke. Die Heizung ist bis heute gängig, natürlich wurden Ventile, Gasleitungen und Abzüge z.T. auch schon erneuert. Im Turm hängen 4 Glocken. Die älteste und kleinste trägt die Jahreszahl 1925 und ist aus Bronze. Drei weitere Bronzeglocken wurden im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Sie wurden 1960 durch Gusseisen-Glocken ersetzt.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihre jetzige freundlich helle Farbfassung. Insgesamt war es in der Zeit der DDR nicht einfach, die Kirche zu erhalten. Vor allem die undichten Dachflächen hinterließen ihre Schäden. Nach der Wiedervereinigung konnten um die Jahrtausendwende die Dächer der Kirchenschiffe neu eingedeckt werden. 2011 wurden Turm, Glockenstuhl und Dachstuhl des Turms saniert. Von 2013-2016 wurde die Innenausmalung der Kirche erneuert. Jetzt sammelt die Gemeinde für neue Glocken, da die Stahlglocken aus den 50er Jahren aufgrund von Schäden z.T. bereits stillgelegt werden mussten.

Restaurierung - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)
Innenansicht - Kirchengemeinde St. Georgen Waren (Müritz)

Die St. Georgenkirche zu Waren ist nicht nur ein Zeugnis vergangener Baukunst. Sie ist zugleich Stätte des Glaubens und der Frömmigkeit einer lebendigen Gemeinde sowie ein wichtiger Ort für Musik und Kultur in Waren. Zur Gemeinde gehören ca. 1600 Gemeindemitglieder. Das Gemeindegebiet umfasst die westlichen Teile der Stadt bis zum Neuen Markt, sowie die Ortsteile Warenshof, Amsee, Alt- und Neufalkenhagen.